Zeitdokumente - Autoren und Autorinnen des 20. Jahrhunderts


15.02.2019

Autor Alfred Hintz zeigt Schicksal der Juden in Schwerte auf                   Junges Theater "gegenwind" sorgt erschütternd für Gänsehaut

Die Erinnerung an die Greul der Naziherrschaft wachhalten, um eine Wiederholung zu verhindern

Gänsehaut und Erschütterung haben die jungen Darsteller der Theatergruppe „gegenwind“ mit Szenen zu Drangsalierung, Deportation und Ermordung Schwerter Juden erzeugt. Anhand von Schicksalen einzelner Schwerter Familien blieben Angst und Grauen der Nazi-Zeit im Herzen spürbar, im Kopf weiterhin unfassbar.

Nachgestellte Szenen jüdischen Lebens in Schwerte unter dem Nazi-Terror: Es dominieren Hilflosigkeit und Verzeiflung
Angst und Trauer
Fassungslosigkeit

Autor und Historiker Alfred Hintz gab in seinem Vortrag „Jüdisches Leben in Schwerte“ eingehende Informationen zur Geschichte. In einem Abriss schilderte er, wie der Alltag der Juden landesweit und speziell in Schwerte sich über lange Zeit gestaltete (siehe Link unten zum Herunterladen des gesamten Vortrags). Dabei machte er deutlich: In Schwerte habe es immer ein gutes und harmonisches Zusammenleben der verschiedenen Religionen gegeben. So seien auch die Juden vollkommen integriert gewesen.

Juden waren in das Schwerter Stadtleben vollkommen integriert

Als wohlhabende Geschäftsleute seien sie stark im Stadtparlament der Stadt vertreten gewesen, in dem sie sich mit großem Einsatz für die Belange Schwertes engagiert haben. Auch gemeinsame Feste seien mit Respekt und Rücksichtnahme in guter Nachbarschaft innerhalb der Schichte begangen worden, so dass der gemeinsamen Freude am Feiern nichts im Weg gestanden habe. Ein gutes Dokument für diese Verbundenheit sei das 1885 von Dr. Friedrich Theodor Tütel verfasste „Schwerter Nachbarschaftslied“ (Link zum Nachlesen des Nachbarschaftsliedes siehe unten). So sei das Leben gut und in Harmonie verlaufen – bis in den 30er/40er Jahren des vorigen Jahrhunderts die Naziherrschaft alles zerstört habe.

Gerlinde Heinrich erläuterte die Bedeutung der Schwerter Stolpersteine, die an die Schicksale der Menschen jüdischen Glaubens erinnern, die einstmals in Schwerte in Ruhe und Frieden gelebt hatten – dann aber so grausam aus ihrem Alltag gerissen und unter Zwang in die Kette von Diffamierung, Zerstörung der wirtschaftlichen Existenz, Deportation und Tod eingegliedert wurden. Als ehemalige Realschul-Lehrerin hatte Gerlinde Heinrich das Interesse ihrer Schüler an dem Thema „Judentum in Schwerte“ mit der Gründung einer Theatergruppe geweckt. Noch heute, nach ihrer Pensionierung, ist sie die „Chefin“ der Theatergruppe „gegenwind“. Mit ihren Auftritten möchte die Gruppe auch jetzt, mehrere Jahre über ihre Schulzeit hinaus weiterhin daran mahnen, die Greul der Vergangenheit nicht zu vergessen und alles dafür zu tun, dass dieser Teil der Geschichte sich nicht wiederholen kann.

Abwendung von demokratischen Grundwerten künftig früh bekämpfen

Klaus Irmscher, ehemaliger Kantor der St. Viktorkirche, gestaltete den musikalischen Rahmen am Klavier themenbezogen mit Werken der jüdischen Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy und Louis Levandowski. In der anschließenden Diskussion,  gewandt geleitet von Moderatorin Bianca Dausend, war den Wortbeiträgen der Gäste zu entnehmen:  Die schrecklichen Erinnerungen an die 30er/40er Jahre  des vergangenen Jahrhunderts müssen wach gehalten werden und erste Anzeichen für einen Richtungswechsel weg von den demokratischen Grundwerten – anders als damals - gleich bekämpft werden. Denn so etwas darf nie wieder geschehen.

Die Reihe  „Zeitdokumente – Schwerter Autoren und Autorinnen im 20. Jahrhundert“ ist ein Bürger-Projekt aus dem „Atelier der Ideen“ der Bürgerstiftung St. Viktor, initiiert und organisiert von Emmi Beck und Klaus Irmscher. Zur nächsten  Veranstaltung  mit Autorinnen und Autoren aus Schwerte wird am 10. April in das Alte Rathaus der Schwerter Mitte am Markt eingeladen.

Text und Fotos: Martina Horstendahl

Autor Alfred Hintz
Die Akteure des Abends
Moderatorin Bianca Dausend
Musiker Klaus Irmscher (Kantor a.D.)
Schluss-Ablaus für Gerlinde Heinrich (r.) und ihr Theater-Team

Foto: M. Horstendahl

Zeitdokumente – Schwerter Autoren           und Autorinnen im vorigen Jahrhundert

Reihe startet mit Alfred Hintz: Das jüdische Leben in Schwerte/ Gerlinde Heinrich und "gegenwind" stellen Stolpersteine vor/         Klaus Irmscher spielt Klavier-Werke jüdischer Komponisten

Durch Schilderung des damaligen Zeitgeschehens und persönlicher Empfindungen geben Schwerter Autoren und Autorinnen Einblicke in das 20. Jahrhundert.

Sie erzählen in ihren Werken aus verschiedenen Perspektiven über Leben und Wirken im Ruhrtal. Dies stellen sie persönlich - oder vertreten und ergänzt durch Angehörige und Freunde vor. Im Mittelpunkt stehen Zusammenleben, Neuanfang, Veränderungen und Bekenntnisse. 

In einer lockeren Reihenfolge werden in diesem Jahr mehrere Veranstaltungen zu und mit heimischen Autoren und Autorinnen des 20. Jahrhunderts angeboten. Der Blick geht dabei quer durch die vergangenen hundert Jahre. Beginn ist jeweils um 19 Uhr im Alten Rathaus in der Schwerter Mitte am Markt.

Die Auftaktveranstaltung unter der Moderation von Bianca Dausend startet am Mittwoch, 13. Februar 2019. Dann eröffnet Autor Alfred Hintz mit dem Thema: „Das jüdische Leben in Schwerte und unsere Erinnerungskultur“ den Autoren-Reigen. Ergänzt wird die Lesung durch Referentin Gerlinde Heinrich, die über die Bedeutung der „Stolpersteine“ in unserer Stadt berichtet. Im Rahmenprogramm treten die junge Theatergruppe „gegenwind“ sowie Klaus Irmscher am Klavier mit Musik jüdischer Komponisten auf. Im Anschluß ist Gelegenheit für eine gemeinsame Diskussion mit den Gästen anberaumt.

Alfred Hintz, geboren in Schwerte, arbeitete bis zu seiner Pensionierung 30 Jahre als Journalist für verschiedene Zeitungen. Danach ging er seinen historischen Interessen nach und studierte Geschichte. Als Historiker widmet er sich der Schwerter Stadtgeschichte. Gerlinde Heinrich, pensionierte Realschullehrerin, weiß, wie bei Schülern und Schülerinnen die Erinnerungskultur wachgehalten wird.

Die Veranstaltung ist ein Bürger-Projekt aus dem „Atelier der Ideen“ der Bürgerstiftung St. Viktor. Idee und Organisation: Emmi Beck, Beratung und Organisation: Klaus Irmscher. Der Eintritt ist frei, Spenden sind gerne willkommen.